Gute Fotografie: Warum der Horizont horizontal sein sollte

Schiefer Horizont in einem Foto - Abe Mossop
Schiefer Horizont in einem Foto - Abe Mossop
Schlecht oder gar nicht ausgebildete Fotografen und Bildredakteure sind im heutigen Internetzeitalter oft schuld am Abwärtstrend der qualitativen Fotografie

Als Fotograf sollte man mit offenen Augen durch die Welt gehen und alle Bilder, die einem vor die Augen kommen, analysieren und daraus lernen.

Belichtung, Lichtarten und Lichtquellen, Motiv, Komposition, Ausrichtung – Ausrichtung?

Die Ausrichtung des Fotos ist Teil der Komposition und ein wesentlicher Bestandteil, die eine gute Fotografie von einem Schnappschuss abgrenzt.

Sieht man in großen, seriösen Print-Zeitschriften jemals ein Foto, in dem der Hintergrund aus einer Wasserfläche besteht, welches diese Horizontlinie schief abgebildet hat?

Genau: nein.

Sieht man in einem Postergeschäft jemals ein Poster, welches einen kitschigen Sonnenuntergang über dem Meer zeigt, und das Meer ist dabei im Hintergrund nicht exakt waagerecht?

Wieder: nein.

Sieht man im Internet oder in billigen Kaufhauskatalogen Fotos von, sagen wir einmal, zweitklassigen Models, die sich an einem Strand räkeln, während im Hintergrund das blaue Meer mit einem Winkel von 35 Grad ausläuft?

Leider: nur zu oft.

Ist der schiefe Horizont wirklich ein Fehler?

Einige Grundregeln der Fotografie ändern sich nicht. Es ist unerheblich, ob wir heutzutage digital fotografieren, oder ob wir eine analoge Mittelformatkamera benutzen – und ein gerader Horizont in einem statischen Bild ist eine solche Grundregel. Selbst, wenn der Horizont nicht selbst sichtbar ist, gilt diese Regel trotzdem: Schornsteine, Häuser, Türme, ein Wald aus sehr gerade gewachsenen Fichten, etc. sind alle Objekte, die Rückschlüsse auf den Horizont zulassen und deshalb auch wirklichkeitsgetreu ausgerichtet auf den Fotografien erscheinen sollten. Als Referenz sei ambitionierten Fotografen das Standardwerk: "Die große Fotolehre" von Andreas Feininger ans Herz gelegt.

Auch bei Reportage-Fotos ist die korrekte Ausrichtung für die journalistische Sorgfalt erforderlich: Nehmen wir z.B. ein Foto von einem Bergsteiger, der an einer 70 Grad steilen Felswand hängt – in diesem Fall wird dem Zuschauer zu Recht der Atem stocken. Was ist aber, wenn der Fels in Wirklichkeit nur 30 Grad steil war, und der Fotograf das Motiv aus Unwissenheit oder Sensationslust schief abgelichtet hat? Der Zuschauer wird betrogen und mag den Bergsteiger ob der übersteilten Aufnahme für einen Held halten ...

Keine Regel ohne Ausnahme

Selbstverständlich gibt es gute, wenn auch seltene, Gründe für eine Fotografie mit einem schiefen Hintergrund. Der schiefe Horizont ist ein Gestaltungsmittel für dynamische Fotos, welche besondere Bewegung oder Wildheit zum Ausdruck bringen soll – nicht mehr und nicht weniger. Er ist kein Allheilmittel, um langweilige Motive in einen hippen und jugendlich-rebellischen Action-Shot umzuwandeln. Bestenfalls ist er auf diese Weise ein Zeichen von Unwissenheit, schlimmstenfalls ein Zeichen von Ignoranz.

Augen auf!

Als passionierter Fotograf sollte man genau auf die Bildhintergründe achten, die einem vorgesetzt werden. Auf diese Weise lernt man aus den Fehlern der Anderen und hebt sich so von der Masse ab. Während die Printmedien noch zu fast 100% qualitativ gute Fotos abbilden (manche der Ramsch-Tageszeitungen schon ausgenommen), so werden Sie im Internet unglaublich schlechte Fotos finden, die Ihnen z.T. von großen Marktführer-Internetseiten als Profi-Fotografien untergejubelt werden - was wieder einmal beweist: Nicht jeder, der von einer Tätigkeit lebt und damit seine Brötchen verdient, ist auch ein Profi darin.

Zur Veranschaulichung hier einige Beispiele an schlechten Fotos,

die auf großen Internetseiten präsentiert werden:

  • Hier sehen wir eine Dame, die in sehr ruhigem Wasser planscht. Im Hintergrund sieht man ein Stück Küste, welches im 45-Grad-Winkel kippt. Diese Aufnahme ist bestenfalls ein Schnappschuss, aber auf keinen Fall hochwertige Fotografie. Es gibt keinerlei dynamisches Element im Motiv, und der schiefe Horizont ist hier ein Beweis für schlechte Qualität.
  • Eine Dame sitzt mit Laptop am Strand. Dass sie nicht aus dem Bild fällt, ist verwunderlich, denn auch hier sehen wir einen völlig unbegründeten 45-Grad-Horizont. Diese Art von Komposition könnte vielleicht für einen Weltuntergang oder ein Erdbeben herhalten, aber nicht für diese Art von Motiv.
  • Hier sehen wir ein schönes Beispiel aus einem Fotowettbewerb (sic). Ein Sportwagen ist mit einem Parkplatz im Hintergrund „geschnappschusst“ worden, der sich im 30-Grad-Winkel neigt. Nicht nur, dass der Hintergrund kompositorisch schlecht gewählt ist, er ist auch schief. Und bei einem stehenden Auto wirkt dies nicht besonders dynamisch.
Abe Mossop, Abe Mossop

Abe Mossop - Warum schreibe ich Satire? Fragt lieber: Wie kann ich es vermeiden?

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